Baugenehmigungen August 2026: Was Bauherren jetzt wissen
Baugenehmigungen August 2026: Ausgangslage nach Juli, Baupreise +5,5 % und Bauzinsen 4,04 %. Was das für Bauherren, Käufer und Eigentümer bedeutet.

Redaktion immokunde.com
Redaktionsleitung · Andreas Malkow
Wer die Baugenehmigungen für August 2026 verfolgt, bekommt in diesen Tagen zwei amtliche Zahlen kurz hintereinander. Am 9. Oktober 2026 hat das Statistische Bundesamt (Destatis) die Baupreise für August veröffentlicht: Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude war 5,5 % teurer als im August 2025. Die Genehmigungszahlen für August stehen im Veröffentlichungskalender des Amts für die Woche vom 12. bis 16. Oktober 2026. Die Messlatte setzt der Juli mit 22.500 genehmigten Wohnungen. Das waren nur noch 1,9 % mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Monate davor zweistellig zugelegt hatten.
Für Bauherren ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Die Bauämter genehmigen wieder deutlich mehr als in den beiden Vorjahren. Gleichzeitig steigen die Preise auf der Baustelle und die Zinsen für die Finanzierung.
Baugenehmigungen August 2026: An diesen Zahlen wird der Monat gemessen
Von Januar bis Juli 2026 haben die Bauaufsichtsbehörden in Deutschland Genehmigungen für 148.800 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden erteilt. Das sind 17.000 Wohnungen oder 12,9 % mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Allein im ersten Halbjahr waren es 126.300 Wohnungen. Nach Angaben von Destatis war das der stärkste Anstieg in einer ersten Jahreshälfte seit 2016.
| Monat (ausgewählt) | Genehmigte Wohnungen | Veränderung zum Vorjahresmonat |
|---|---|---|
| Januar 2026 | 19.500 | +8,4 % |
| März 2026 | 21.800 | +11,5 % |
| April 2026 | 20.200 | +9,2 % |
| Juni 2026 | 21.600 | +13,8 % |
| Juli 2026 | 22.500 | +1,9 % |
Neubau und Umbau im Bestand zusammen. Quelle: Statistisches Bundesamt, monatliche Pressemitteilungen 2026.
Interessant wird es bei den Gebäudearten. Im Neubau von Wohngebäuden wurden bis Juli 121.200 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 13,5 %. So verteilt sich das:
- Einfamilienhäuser: 27.900 Wohnungen, 9,7 % mehr als im Vorjahreszeitraum
- Zweifamilienhäuser: 8.900 Wohnungen, plus 25,0 %
- Mehrfamilienhäuser: 79.700 Wohnungen, plus 15,1 %
- Umbau im Bestand: 24.900 Wohnungen, plus 8,9 %
In die letzte Zeile fallen Wohnungen, die durch Aufstockung, Dachgeschossausbau, Teilung großer Einheiten oder Umnutzung entstehen. Im Bestand tut sich also einiges, auch wenn die großen Zahlen weiter aus dem Geschosswohnungsbau kommen.
Warum ein schwacher Monat noch keinen Trend macht
Der Juli wirkt auf den ersten Blick wie eine Vollbremsung. Neubauwohnungen legten nur um 0,8 % auf 18.400 zu, Umbauwohnungen um 7,0 % auf 4.100. Destatis weist allerdings selbst darauf hin, dass Genehmigungen oft nicht im Monat ihrer Erteilung in der Statistik landen. Die Bauämter melden nach, und verspätete Meldungen fließen erst in spätere Monate ein.
Wer länger im Markt unterwegs ist, kennt diesen Effekt. Ein einziges großes Quartier mit mehreren hundert Wohnungen kann eine Monatszahl spürbar nach oben ziehen, und im Folgemonat fehlt es dann im Vergleich. Aussagekräftiger ist deshalb die aufgelaufene Zahl seit Jahresbeginn. Wenn die Augustzahlen kommen, lohnt der Blick auf zwei Punkte: Bleibt das Plus von Januar bis August klar zweistellig? Und hält der Zuwachs bei den Einfamilienhäusern, der zuletzt schwächer war als bei den Mehrfamilienhäusern?
Baupreise im August 2026: Neubau kostet 5,5 % mehr als vor einem Jahr
Die Baupreise sind für private Bauherren die greifbarere Zahl. Destatis misst dabei nur das Bauwerk, also ohne Grundstück, und zwar einschließlich Mehrwertsteuer. Im August 2026 lagen die Preise für neue Wohngebäude 5,5 % über dem Vorjahresmonat. Im Mai, dem vorherigen Erhebungsmonat, waren es noch 5,0 %. Allein von Mai bis August stiegen die Preise um 1,0 %.
| Leistungsbereich | Veränderung August 2026 zu August 2025 |
|---|---|
| Rohbauarbeiten insgesamt | +5,4 % |
| Betonarbeiten | +4,3 % |
| Mauerarbeiten | +4,2 % |
| Dachdeckungsarbeiten | +7,6 % |
| Zimmer- und Holzbauarbeiten | +7,2 % |
| Erdarbeiten | +6,1 % |
| Ausbauarbeiten insgesamt | +5,7 % |
| Heizanlagen inkl. Wärmepumpen | +5,2 % |
| Elektro- und Sicherheitstechnik | +7,2 % |
| Wärmedämm-Verbundsysteme | +5,7 % |
| Instandhaltung an Wohngebäuden | +6,0 % |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 360 vom 9. Oktober 2026.
Auffällig ist das Gefälle zwischen den Gewerken. Beton und Mauerwerk liegen unter dem Durchschnitt. Dach, Holzbau und Elektro liegen klar darüber. Für alle, die in Holzbauweise oder mit einem Fertighausanbieter planen, ist der Wert von 7,2 % bei Zimmer- und Holzbauarbeiten deshalb eher die relevante Größe als der Gesamtindex.
Zur langen Linie: Laut Destatis haben sich die Preise für Wohngebäude von 2010 bis 2025 um 89 % erhöht, die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 38 %.
Was die Zahlen in Euro bedeuten: ein Rechenbeispiel
Das folgende Beispiel ist bewusst vereinfacht. Es soll zeigen, in welcher Größenordnung sich Preis- und Zinsentwicklung bei einem typischen Einfamilienhaus auswirken.
Annahmen:
- Baukosten für das Haus (nur Bauwerk, ohne Grundstück und Nebenkosten) im Preisstand August 2025: 400.000 Euro
- Die Kosten steigen genau wie der Index, also um 5,5 %
- Eigenkapital für das Bauwerk: 50.000 Euro, der Rest wird finanziert
- Zinssatz jeweils der Durchschnittswert der Bundesbank für Wohnungsbaukredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung: 3,73 % im August 2025, 4,04 % im August 2026
- Betrachtet werden nur die Zinsen im ersten Jahr, ohne Tilgungseffekt
| Preisstand August 2025 | Preisstand August 2026 | |
|---|---|---|
| Baukosten | 400.000,00 Euro | 422.000,00 Euro |
| Darlehen | 350.000,00 Euro | 372.000,00 Euro |
| Zinssatz | 3,73 % | 4,04 % |
| Zinsen im ersten Jahr | 13.055,00 Euro | 15.028,80 Euro |
| Zinsen pro Monat | 1.087,92 Euro | 1.252,40 Euro |
Das gleiche Haus kostet im Beispiel 22.000 Euro mehr. Die Zinslast steigt im ersten Jahr um 1.973,80 Euro, also um rund 164,48 Euro im Monat. Der Durchschnittszins lag im Juli 2026 übrigens bei 3,92 %, der Anstieg auf 4,04 % fiel also in einen einzigen Monat.
Noch eine Zahl für alle, die mit dem Baustart zögern. Zwischen Mai und August 2026 sind die Baupreise um 1,0 % gestiegen. Bei 400.000 Euro Baukosten wären das 4.000 Euro in drei Monaten gewesen. Das ist ein Rückblick und keine Prognose. Er zeigt aber, dass Warten in den vergangenen Monaten Geld gekostet hat.
Was das für Bauherren konkret heißt
In der Praxis entscheidet sich viel an einer unscheinbaren Stelle: dem Zeitraum zwischen Genehmigung und Vertragsunterschrift. Wer die Genehmigung schon hat, aber noch keinen Bauvertrag, trägt das Preisrisiko voll.
Angebote altern. Handwerker- und Generalunternehmerangebote haben eine Bindefrist. Ist sie abgelaufen, wird neu kalkuliert, und bei Dach oder Elektro liegt der neue Preis nach den aktuellen Zahlen schnell mehrere Prozent höher.
Festpreis oder Preisgleitklausel. Viele Bauverträge enthalten Klauseln, nach denen sich der Preis bei steigenden Material- oder Lohnkosten anpasst. Andere garantieren einen Festpreis, oft nur für einen bestimmten Zeitraum bis zum Baubeginn. Wie diese Klausel formuliert ist, entscheidet bei 5 bis 7 % Preisanstieg über einen fünfstelligen Betrag.
Die Genehmigung läuft nicht ewig. Baugenehmigungen sind nach den Landesbauordnungen befristet. Die konkrete Frist steht im Bescheid. Wer den Baustart wegen der Kosten verschiebt, behält dieses Datum im Blick, denn eine Verlängerung muss vor Ablauf beantragt werden.
Bereitstellungszinsen. Ein Baukredit wird in Raten abgerufen. Für den noch nicht abgerufenen Teil verlangen Banken nach einer zinsfreien Zeit meist Bereitstellungszinsen. Höhe und Beginn stehen im Darlehensvertrag. Verzögert sich der Bau, laufen sie weiter.
Käufer von Neubauwohnungen: Das Angebot wächst, aber mit Verzögerung
Die 79.700 genehmigten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind das stärkste Signal der Statistik. Für Wohnungssuchende heißt das aber nicht, dass sie im nächsten Frühjahr mehr Auswahl haben. Laut Destatis hat sich die durchschnittliche Zeit von der Genehmigung bis zur Fertigstellung seit 2020 von etwa 20 auf rund 27 Monate verlängert. Was heute genehmigt wird, kommt also frühestens 2028 auf den Markt.
Wer eine Wohnung vom Bauträger kauft, bekommt im notariellen Vertrag einen festen Kaufpreis. Steigende Baukosten während der Bauphase trägt dann grundsätzlich der Bauträger. In die Kalkulation neuer Projekte fließen sie aber ein. Zum Kaufpreis kommen die Kaufnebenkosten hinzu, also Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch, bei Neubauwohnungen auf den gesamten Kaufpreis einschließlich Gebäudeanteil.
Beim Bauträgerkauf zahlen Sie in Raten nach Baufortschritt. Die Makler- und Bauträgerverordnung legt fest, welche Anteile nach welchem Bauabschnitt fällig werden dürfen. Ein Abgleich des Zahlungsplans im Vertrag mit dieser Verordnung gehört vor die Unterschrift.
Eigentümer im Bestand: Instandhaltung wird teurer als Neubau
Eine Zahl aus der Baupreisstatistik geht oft unter, obwohl sie die meisten Eigentümer direkt betrifft. Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden, ohne Schönheitsreparaturen, waren im August 2026 um 6,0 % teurer als ein Jahr zuvor. Das ist mehr als beim Neubau.
Beispiel: Eine Dachsanierung, die im Spätsommer 2025 mit 30.000 Euro angeboten wurde, käme nach dem Gesamtindex für Instandhaltung heute auf etwa 31.800 Euro. Legt man den Wert für Dachdeckungsarbeiten von 7,6 % zugrunde, wären es rund 32.280 Euro. Die tatsächlichen Angebote hängen natürlich von der Region und der Auslastung der Betriebe ab.
Für Wohnungseigentümergemeinschaften hat das eine praktische Folge. Die Erhaltungsrücklage, also das gemeinsame Polster für Reparaturen am Gemeinschaftseigentum, wurde in vielen Gemeinschaften auf Basis älterer Kostenschätzungen festgelegt. Steht eine größere Maßnahme an Dach, Fassade oder Heizung in den nächsten Jahren an, lohnt bei der nächsten Eigentümerversammlung ein Abgleich der Schätzung mit dem aktuellen Preisniveau.
Mieter und Vermieter: Genehmigt ist noch nicht gebaut
Mehr Genehmigungen wirken auf dem Mietmarkt erst, wenn die Wohnungen bezugsfertig sind. Und hier ist der Abstand groß. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18,0 % weniger als 2024. Ende 2025 lagen 760.700 Wohnungen im sogenannten Bauüberhang. Das sind Wohnungen mit Genehmigung, die noch nicht fertig sind. Nur rund 307.200 davon waren bereits im Bau.
Für Mieter in angespannten Städten bedeutet das: Die steigenden Genehmigungszahlen ändern an der Lage im kommenden Jahr wenig. Für Vermieter, die über einen Ausbau oder eine Aufstockung nachdenken, zeigt das Plus von 8,9 % bei Umbauwohnungen, dass die Bauämter solche Projekte in größerer Zahl durchwinken. Die Kostenseite mit 5,7 % bei Ausbauarbeiten gehört aber in jede Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Was Sie in den nächsten Wochen prüfen können
Je nach Ihrer Lage helfen diese Prüfpunkte:
- Bauherren mit Genehmigung, aber ohne Vertrag: Bindefristen der vorliegenden Angebote notieren und mit dem geplanten Vertragstermin abgleichen.
- Bauherren mit unterschriebenem Vertrag: Im Bauvertrag nachsehen, ob und wie eine Preisgleitklausel greift und bis wann ein Festpreis gilt.
- Bauherren mit Kreditzusage: Beginn und Höhe der Bereitstellungszinsen im Darlehensvertrag prüfen und mit dem realistischen Baustart vergleichen.
- Alle mit Genehmigungsbescheid: Ablaufdatum der Genehmigung im Bescheid nachsehen.
- Wohnungseigentümer: Anstehende Erhaltungsmaßnahmen und die Höhe der Rücklage auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung setzen lassen.
- Käufer vom Bauträger: Zahlungsplan im Vertragsentwurf mit den Raten der Makler- und Bauträgerverordnung abgleichen.
Ob eine Klausel im konkreten Vertrag wirksam ist oder wie sich eine Verschiebung des Baustarts rechtlich auswirkt, hängt vom Einzelfall ab. Das gehört in die Hände eines Fachanwalts für Bau- und Architektenrecht, bei Finanzierungsfragen zu einer unabhängigen Beratung.
Einordnung: Die Erholung kommt von einem sehr niedrigen Niveau
2024 war die Zahl der genehmigten Wohnungen auf den niedrigsten Stand seit 2010 gefallen. 2025 ging es mit 238.500 genehmigten Wohnungen wieder um 10,8 % nach oben. Das erste Halbjahr 2026 hat diesen Kurs verstärkt, der Juli hat ihn gebremst.
Die Augustzahlen zeigen, ob der Juli ein Ausreißer war. Am Grundproblem ändern sie wenig: Genehmigungen steigen, Fertigstellungen hinken hinterher, und Bauen wird mit jedem Quartal teurer. Für private Bauherren kommt es deshalb weniger auf die bundesweite Statistik an als auf ihre eigene Kalkulation. Dazu gehören Vertragsklauseln, Bindefristen und Zinsbindung.
Häufige Fragen
Wann veröffentlicht Destatis die Baugenehmigungen für August 2026?
Der Veröffentlichungskalender des Statistischen Bundesamts führt die Meldung in der Woche vom 12. bis 16. Oktober 2026. Die Pressemitteilung erscheint auf destatis.de. Detaillierte Reihen gibt es in der Datenbank GENESIS-Online unter Tabelle 31111.
Enthält der Baupreisindex auch das Grundstück?
Nein. Der Baupreisindex für Wohngebäude erfasst nur das Bauwerk, einschließlich Mehrwertsteuer. Grundstückspreise, Erschließung und Kaufnebenkosten sind nicht enthalten.
Sind 4,04 % der Zins, den ich bei meiner Bank bekomme?
Nicht unbedingt. Die Bundesbank ermittelt einen Durchschnitt aller neu vereinbarten Wohnungsbaukredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung. Ihr individueller Zinssatz hängt unter anderem von Eigenkapital, Beleihung und Bonität ab.
Warum schwanken die monatlichen Genehmigungszahlen so stark?
Weil Bauämter ihre Meldungen teils verspätet abgeben und große Projekte einzelne Monate verzerren. Destatis selbst empfiehlt, Monatswerte vorsichtig zu lesen. Die aufgelaufene Zahl seit Jahresbeginn ist verlässlicher.
Was ist der Bauüberhang?
Der Bauüberhang umfasst alle Wohnungen, die genehmigt, aber zum Jahresende noch nicht fertiggestellt sind. Dazu gehören Projekte im Bau und solche, mit denen noch nicht begonnen wurde.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Baupreise für Wohngebäude im August 2026, Pressemitteilung Nr. 360 vom 9. Oktober 2026
- Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen im Juli 2026, Pressemitteilung Nr. 330 vom 18. September 2026
- Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen im Juni 2026, Pressemitteilung Nr. 291 vom 18. August 2026
- Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen im Januar 2026, Pressemitteilung Nr. 088 vom 18. März 2026
- Statistisches Bundesamt: Bau- und Immobilienpreisindex
- Statistisches Bundesamt: Veröffentlichungskalender
- Statistisches Bundesamt: Fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025, Pressemitteilung vom 22. Mai 2026
- Deutsche Bundesbank: MFI-Zinsstatistik, Wohnungsbaukredite an private Haushalte
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