EZB-Zinsentscheidung am 29. Oktober 2026: Folgen für Bauzinsen
EZB-Zinsentscheidung am 29. Oktober 2026: Was sie für Bauzinsen, variable Kredite und Verzugszinsen bedeutet. Mit Rechenbeispiel, Zeitplan und Checkliste.

Redaktion immokunde.com
Redaktionsleitung · Andreas Malkow
Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, gibt der EZB-Rat um 14:15 Uhr seine nächste Zinsentscheidung bekannt. Um 14:45 Uhr beginnt in Frankfurt die Pressekonferenz. Für die Bauzinsen ist der Termin ein wichtiges Signal, er legt sie aber nicht fest. Die EZB-Zinsentscheidung am 29. Oktober 2026 wirkt direkt auf variable Darlehen und über den Basiszinssatz auf die gesetzlichen Verzugszinsen. Bei Baukrediten mit zehn oder fünfzehn Jahren Zinsbindung kommt sie dagegen nur über den Kapitalmarkt an. Dort ist ein großer Teil der Erwartungen an die EZB schon vor dem Termin in die Kurse eingeflossen. Ausgangspunkt sind die Leitzinsen, die seit dem 16. September 2026 gelten: 2,50 Prozent für die Einlagefazilität und 2,65 Prozent für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte.
Vor der EZB-Zinsentscheidung am 29. Oktober 2026 sind die Bauzinsen bereits gestiegen
Die EZB hat ihre Leitzinsen 2026 zweimal erhöht, jeweils um 0,25 Prozentpunkte: im Juni (wirksam ab 17. Juni) und am 10. September (wirksam ab 16. September). Zur Begründung verwies der EZB-Rat im September auf den Konflikt im Nahen Osten. Er erzeuge weiter Inflationsdruck, und die Teuerung dürfte für längere Zeit deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent liegen. In ihrem Basisszenario erwarten die Fachleute der EZB eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent für 2026, 2,5 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028.
| Leitzins der EZB | ab 17. Juni 2026 | ab 16. September 2026 |
|---|---|---|
| Einlagefazilität | 2,25 % | 2,50 % |
| Hauptrefinanzierungsgeschäfte | 2,40 % | 2,65 % |
| Spitzenrefinanzierungsfazilität | 2,65 % | 2,90 % |
Kurz zu den Begriffen: Die Einlagefazilität ist der Zins, den Banken für Geld bekommen, das sie über Nacht bei der Notenbank parken. Über diesen Satz steuert die EZB ihre Geldpolitik. Der Hauptrefinanzierungssatz ist der Zins, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten Geld bei der Notenbank leihen. Für Eigentümer und Mieter ist er wichtig, weil sich der Basiszinssatz für Verzugszinsen nach ihm richtet.
Auch bei den Krediten selbst zeigt sich der Anstieg. Laut MFI-Zinsstatistik der EZB lag der gewichtete Indikator für neue Wohnungsbaukredite an private Haushalte im Euroraum im Juni 2026 bei 3,51 Prozent, im Juli bei 3,54 Prozent und im August bei 3,60 Prozent. Bei Krediten mit variablem Zins oder höchstens einem Jahr Zinsbindung kletterte der Satz im August um 0,17 Prozentpunkte auf 3,86 Prozent. Kredite mit mehr als fünf und bis zu zehn Jahren Zinsbindung kosteten 3,80 Prozent. Diese Werte sind Durchschnitte für den ganzen Euroraum. Ein einzelnes Angebot kann je nach Bonität und Beleihungsauslauf spürbar davon abweichen. Der Beleihungsauslauf gibt an, welchen Anteil des Beleihungswerts das Darlehen ausmacht. Der Beleihungswert ist der vorsichtig geschätzte Wert, mit dem die Bank die Immobilie als Sicherheit ansetzt. Er liegt meist unter dem Kaufpreis.
Warum der Leitzins Ihren Bauzins nur über Umwege verändert
Wer am Tag einer Zinsentscheidung seine Bank anruft, stellt oft fest, dass sich an der Kondition kaum etwas bewegt. Das liegt am Mechanismus. Darlehen mit langer Zinsbindung finanzieren Banken zum großen Teil über Pfandbriefe und andere langlaufende Papiere. Deren Renditen hängen davon ab, wie der Markt die Inflation und die Zinspolitik der kommenden Jahre einschätzt. Den Beschluss eines einzelnen Tages haben die Anleger meist schon vorher einkalkuliert.
Bewegung kommt deshalb vor allem durch Überraschungen. Weicht der Beschluss von den Erwartungen ab oder kündigt Christine Lagarde in der Pressekonferenz einen anderen Kurs an, ändern sich die Renditen am Kapitalmarkt. Mit einigen Tagen Abstand ziehen dann auch die Bankkonditionen nach. Im September hat der EZB-Rat ausdrücklich erklärt, dass er sich nicht vorab auf einen Zinspfad festlegt und von Sitzung zu Sitzung nach der Datenlage entscheidet. Bei der Oktobersitzung gibt es keine neuen Projektionen. Die nächsten veröffentlicht die EZB im Dezember.
Bei variablen Krediten ist der Weg kürzer. Sie hängen meist am Euribor, dem Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Der Euribor folgt den Leitzinsen eng. Der Sprung variabler Wohnungsbaukredite im August, also noch vor der Erhöhung im September, zeigt, wie früh der Markt einen Zinsschritt einpreist.
Was die Entscheidung für Käufer, Eigentümer, Vermieter und Mieter bedeutet
Käufer mit laufender Finanzierungsanfrage
Ein Zinsangebot der Bank gilt in der Regel nur befristet. Bis zur Unterschrift unter den Darlehensvertrag kann die Bank die Kondition anpassen. Wenn Sie rund um den 29. Oktober vor der Unterschrift stehen, kommt es darauf an, bis wann das konkrete Angebot gilt. Prüfen Sie auch, ab wann Bereitstellungszinsen anfallen. Das sind Gebühren für Kreditbeträge, die zugesagt, aber noch nicht abgerufen sind, beim Neubau zum Beispiel über Monate. In der Praxis wird bei Zinsdiskussionen eine Größe gern vergessen: das Eigenkapital. Banken erwarten häufig, dass Käufer die Erwerbsnebenkosten aus eigenen Mitteln zahlen. Wie hoch die Kaufnebenkosten im konkreten Fall ausfallen, entscheidet mit darüber, wie viel Darlehen Sie überhaupt brauchen.
Eigentümer mit Anschlussfinanzierung in den nächsten Jahren
Ein laufendes Darlehen mit fester Zinsbindung ändert sich durch die EZB-Entscheidung nicht. Der vereinbarte Sollzins gilt bis zum Ende der Zinsbindung. Anders sieht es aus, wenn die Zinsbindung 2027 oder 2028 ausläuft. Dann geht es um ein Forward-Darlehen: einen Anschlusskredit, den Sie heute zu festen Konditionen für einen späteren Starttermin abschließen. Für diese Vorlaufzeit verlangen Banken einen Zinsaufschlag. Die Kehrseite: Sinken die Zinsen bis zum Starttermin, ist der vereinbarte Zins trotzdem bindend.
Noch ein Punkt, der in der Praxis oft übersehen wird: Nach § 489 Absatz 1 Nummer 2 BGB können Darlehensnehmer einen Festzinskredit zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Wer eine Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren hat, kann deshalb unter Umständen früher wechseln, als der Vertrag auf den ersten Blick nahelegt.
Kreditnehmer mit variablem Zins
Bei variablen Darlehen wirkt ein Zinsschritt am schnellsten. Im Vertrag steht, an welchen Referenzzins der Kredit gekoppelt ist und zu welchen Terminen der Zins angepasst wird. Ein Beschluss vom 29. Oktober landet also nicht am nächsten Tag auf dem Kontoauszug, sondern zum nächsten vertraglich festgelegten Anpassungstermin.
Vermieter und Mieter: Verzugszinsen hängen am Basiszinssatz
Seit dem 1. Juli 2026 beträgt der Basiszinssatz 1,52 Prozent. Für Forderungen gegen Verbraucher, etwa eine offene Nebenkostennachzahlung eines Mieters, liegt der gesetzliche Verzugszins 5 Prozentpunkte darüber, also bei 6,52 Prozent. Bei Entgeltforderungen, an denen kein Verbraucher beteiligt ist, kommen 9 Prozentpunkte dazu. Das ergibt 10,52 Prozent.
Der Basiszinssatz ändert sich nur zum 1. Januar und zum 1. Juli. Er bewegt sich um so viele Prozentpunkte, wie sich der Hauptrefinanzierungssatz seit der letzten Anpassung verändert hat. Am 30. Juni 2026 lag dieser Satz bei 2,40 Prozent, heute bei 2,65 Prozent. Steht er vor dem 1. Januar 2027 unverändert bei 2,65 Prozent, steigt der Basiszinssatz rechnerisch auf 1,77 Prozent und der Verzugszins gegenüber Verbrauchern auf 6,77 Prozent. Neben dem 29. Oktober zählt dafür auch die Sitzung am 17. Dezember 2026.
Rechenbeispiel: Was 0,25 Prozentpunkte bei einem Baukredit ausmachen
Das folgende Beispiel zeigt die Größenordnung. Annahmen: 300.000 Euro Darlehen, 2,00 Prozent anfängliche Tilgung, monatliche Raten, zehn Jahre Zinsbindung, keine Sondertilgung. Verglichen werden ein Sollzins von 4,00 Prozent und einer von 4,25 Prozent. Alle Werte sind gerundet.
| Beispiel | Sollzins 4,00 % | Sollzins 4,25 % |
|---|---|---|
| Monatsrate | 1.500,00 Euro | 1.562,50 Euro |
| Zinsen über zehn Jahre | rund 106.400 Euro | rund 112.900 Euro |
| Restschuld nach zehn Jahren | rund 226.400 Euro | rund 225.400 Euro |
Ein Viertelprozentpunkt kostet in diesem Beispiel 62,50 Euro im Monat, also 750,00 Euro im Jahr. Über die Zinsbindung kommen rund 6.500 Euro mehr Zinsen zusammen. Die Restschuld ist fast gleich, weil die höhere Rate nur geringfügig mehr Tilgung bringt.
Bei einem variablen Kredit ist die Rechnung einfacher. Beispiel: 200.000 Euro Restschuld, der Zins steigt zum Anpassungstermin um 0,25 Prozentpunkte. Das ergibt 500,00 Euro mehr Zinsen im Jahr, rund 41,67 Euro im Monat.
Und noch ein Beispiel für Verzugszinsen: Ein Mieter zahlt eine Nachforderung von 2.000,00 Euro 30 Tage zu spät. Bei 6,52 Prozent Verzugszins sind das rund 10,72 Euro.
Zeitplan: Was wann wirksam wird
| Datum | Was passiert |
|---|---|
| 28. und 29. Oktober 2026 | Sitzung des EZB-Rats, Beschluss am 29. Oktober um 14:15 Uhr |
| nach dem Beschluss | Neue Leitzinsen gelten erst einige Tage später; im September lagen zwischen Beschluss und Wirksamkeit sechs Tage |
| 17. Dezember 2026 | Nächste Zinsentscheidung, dann mit neuen Projektionen |
| 1. Januar 2027 | Turnusmäßige Anpassung des Basiszinssatzes |
Banken können ihre Angebote für Festzinsdarlehen jederzeit ändern, also auch schon am Tag der Entscheidung. Eine feste Regel, wann sie nachziehen, gibt es nicht.
Was Banken und Marktbeobachter für den 29. Oktober erwarten
Die folgenden Einschätzungen stammen von Dritten. Sie werden mit Urheber und Datum wiedergegeben und sind keine Zusage. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hielt Anfang Oktober 2026 fest, dass EZB und US-Notenbank bereit seien, die Geldpolitik weiter zu straffen, falls die Inflationsrisiken zunehmen. Für den Oktober erwartete sie aber keine weitere Anhebung. Das Verbraucherportal Finanztip ging im September 2026 ebenfalls davon aus, dass die EZB im Oktober zunächst abwartet. Im Interhyp-Bankenpanel vom 15. Oktober 2026 rechneten 80 Prozent der befragten Institute für die nächsten ein bis zwei Monate mit gleichbleibenden Bauzinsen und 20 Prozent mit fallenden. Für die folgenden sechs bis zwölf Monate erwartet das Panel schwankende Bauzinsen.
Aus der Praxis gilt: Eine Entscheidung, die so ausfällt wie erwartet, bewegt die Konditionen für lange Zinsbindungen meist wenig. Mehr Gewicht haben oft die Aussagen zur künftigen Linie und die Inflationsdaten danach.
Was Sie rund um den 29. Oktober prüfen können
- Bindefrist des Angebots: Bis zu welchem Datum hält die Bank den angebotenen Zins?
- Ende der Zinsbindung: Das Datum steht im Darlehensvertrag. Daraus ergibt sich, ob ein Forward-Darlehen oder die Prolongation, also die Verlängerung bei der bisherigen Bank, ansteht.
- Kündigungsrecht nach zehn Jahren: Bei langen Zinsbindungen lohnt der Blick auf das Auszahlungsdatum.
- Variable Kredite: Welcher Referenzzins gilt, und wann ist der nächste Anpassungstermin?
- Bereitstellungszinsen: Ab welchem Monat werden sie fällig, und wie hoch sind sie?
- Offene Forderungen: Bei Verzug vor und nach dem 1. Januar 2027 werden die Zinsen abschnittsweise mit dem jeweils geltenden Basiszinssatz berechnet.
Einordnung: Was vorher galt und was sich geändert hat
In den Jahren 2024 und 2025 hat die EZB ihre Leitzinsen schrittweise gesenkt. Der Einlagesatz lag zuletzt bei 2,00 Prozent, Ende 2025 betrug der Hauptrefinanzierungssatz 2,15 Prozent. Mit den beiden Erhöhungen 2026 hat sich die Richtung gedreht. Für Käufer heißt das: Die Rechnungen aus dem vergangenen Jahr stimmen nicht mehr. Eine Rate, die 2025 tragbar war, muss mit heutigen Konditionen neu kalkuliert werden. Wer eine Anschlussfinanzierung vor sich hat, landet je nach Abschlussjahr des alten Kredits auf einem anderen Zinsniveau als beim Erstabschluss.
Häufige Fragen
Sinken die Bauzinsen, wenn die EZB am 29. Oktober nichts ändert?
Nicht automatisch. Bleiben die Leitzinsen unverändert und hatte der Markt genau das erwartet, fehlt der Anstoß für eine Bewegung. Entscheidend sind die Renditen am Kapitalmarkt, und die hängen stark an den Inflationsaussichten.
Steigt meine Indexmiete wegen der EZB-Entscheidung?
Nein, nicht direkt. Eine Indexmiete nach § 557b BGB richtet sich nach dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts und nicht nach dem Leitzins. Ein Zusammenhang besteht nur indirekt, weil die EZB mit ihren Zinsen die Inflation beeinflussen will.
Gelten neue Leitzinsen auch für KfW-Kredite?
Die KfW legt ihre Zinssätze selbst fest und orientiert sich dabei am Kapitalmarkt. Maßgeblich ist der Zinssatz, der am Tag der Zusage in den aktuellen Konditionen der KfW steht.
Kann die Bank meinen festen Zins nach der Entscheidung erhöhen?
Nein. Ein vertraglich vereinbarter Sollzins gilt bis zum Ende der Zinsbindung, unabhängig davon, was die EZB beschließt.
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt die Zins- und Rechtslage allgemein. Ob Kündigungsrechte, Verzugszinsen oder Vertragsklauseln in Ihrem Fall greifen, hängt vom konkreten Vertrag ab. Das sollte im Einzelfall ein Anwalt oder eine unabhängige Finanzierungsberatung prüfen.
Quellen
- EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 2026
- EZB: Sitzungskalender des EZB-Rats
- EZB: MFI-Zinsstatistik für den Euroraum, August 2026
- Deutsche Bundesbank: Basiszinssatz zum 1. Juli 2026
- § 247 BGB, Basiszinssatz
- § 288 BGB, Verzugszinsen
- § 489 BGB, Ordentliches Kündigungsrecht des Darlehensnehmers
- § 557b BGB, Indexmiete
Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.